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Inkontinenz

Inkontinenz, auch Harninkontinenz, Blasenschwäche oder ungewollter Harnverlust, genannt, betrifft sowohl Frauen als auch Männer, wobei Frauen viel häufiger davon betroffen sind. Laut Statistik leidet etwa jede 3. bis 4. Frau im Laufe ihres Lebens an ungewolltem Harnverlust. Dabei sind nicht nur ältere sondern auch jüngere Frauen davon betroffen. Hauptauslöser sind meist Schwangerschaften, Geburten und schwere körperliche Tätigkeiten. Diverse Krankheiten sowie genetische Ursachen können eine Inkontinenz ebenfalls zum Vorschein bringen.

Wer in späten Jahren nicht unter Inkontinenz leiden möchte, der kann bereits in jungen Jahren mit gezieltem Beckenbodentraining vorsorgen! In östlichen Ländern, wie beispielsweise in Asien, ist es gang und gäbe, dass junge Mädchen von der Mutter instruiert werden,  welche Übungen zu machen sind, um die Muskulatur zu stärken. Um eine ungewollte Blasenschwäche vorzubeugen, wird heutzutage auf innovative Behandlungsverfahren wie Lasertherapie oder Magnetfeldtherapie gesetzt!

Trotz der weiten Verbreitung ist der ungewollte Verlust von Harn nach wie vor ein Tabu-Thema. Wir möchten Sie deshalb im Folgenden über die Inkontinenz aufklären, indem wir ihre Symptome und Erscheinungsformen sowie eine mögliche Diagnose und Behandlung näher erläutern.

Übersicht

Was ist Inkontinenz?

Unter Inkontinenz versteht man den ungewollten, unkontrollierbaren Harnverlust bei Frau und Mann. Hierbei sind Frauen deutlich häufiger davon betroffen als Männer. Eine Ursache dafür ist die anatomische Struktur des Beckenbodens. Während der Mann zwei Öffnungen hat – Harnröhre und After – sind bei der Frau gleich drei Körperöffnungen etabliert. Zu den zweien, welche Frau und Mann gleich haben, kommt die Vagina, welche eine große Rolle als Verursacher des ungewollten Harnverlustes darstellt! Durch schwere körperliche Belastung, aber vor allem die Schwangerschaft und die darauf folgende Geburt, wird der Beckenboden und die Scheide stark belastet und überdehnt, sodass die vordere Vaginalwand die Stützfunktion für die Blase und die relativ kurze Harnröhre verliert. Dadurch werden, unter anderem, der sogenannten Stress- oder Belastungsinkontinenz im wahrsten Sinne des Wortes Tür und Tor geöffnet.

Anatomie der Harnblase bei Frau und Mann

Wie funktioniert die Harnblase?

Die Harnblase ist so zu sagen der Auffangbehälter, für den, von den Nieren produzierten Harn. Dieser „Behälter“ hat eine Kapazität von bis zu ca. 400 ml. Man stelle sich die Harnblase wie einen Luftballon vor, der die elastische Hülle des Behälters darstellt, welche von einer Muskelschicht umgeben ist. Dazu weißt sie einen Verschlussmuskel auf, welchen man sich wie ein Ventil vorstellen muss, der am Ausgang der Harnröhre sitzt und das unkontrollierbare Ausfließen des Urins verhindert. Kommt es zum Signal „Der Behälter ist voll und droht überzugehen“, wird vom Gehirn über Nervenbahnen und Rezeptoren das Signal ausgesendet „Geh auf’s WC, sonst wird’s feucht!“ Treten in diesem Regelkreis durch diverse Beeinträchtigungen, Erkrankungen oder anatomische Veränderungen (Scheidensenkung und damit Blasensenkung), Verletzungen im Rückenmark etc. Störungen auf, können verschiedene Formen des Harnverlustes auftreten.

Symptome bei Inkontinenz

Die ersten Symptome für eine Blasenschwäche bemerken die meisten Frauen nach der ersten Geburt. Nicht nur nach vaginaler Entbindung, sondern teilweise auch nach einem Kaiserschnitt kommt es immer häufiger vor, dass beim Lachen, Husten, Niesen, oder Springen ein paar Tröpfchen in der Unterhose landen! Diesem Problem wäre leicht zu begegnen, wenn schon in der Schwangerschaft ein erlerntes und gezieltes Beckenbodentraining stattfinden würde. In Australien haben sich Gynäkologen, Hebammen, Physiotherapeuten zusammengeschlossen und weisen die werdenden Mütter auf die Möglichkeit der Prophylaxe hin!

Ursachen einer Inkontinenz

Die wohl weit verbreitetsten Ursachen bei Inkontinenz sind die Schwangerschaft und die Geburt. Vor allem bei einer Spontangeburt wird die Muskulatur, aber auch das Bindegewebe massiv überdehnt – damit ist eine Scheiden- und Blasensenkung vorprogrammiert!

Natürlich spielen schwere körperliche Arbeit (Häuselbauerkrankheit), genetische Faktoren, Tumore im Beckenbereich und nervliche Erkrankungen, wie z.B. Multiple Sklerose, die dem Gehirn falsche Signale des Harndranges mitteilen, als Ursache ebenfalls eine Rolle.

Arten von Inkontinenz

Die verschiedenen Ursachen einer Inkontinenz sind den zu unterscheidenden Arten verschuldet. Dazu zählen unter anderem:

Bei der sogenannten Stress- oder Belastungsinkontinenz, kommt es meist bei körperlicher Belastung, wie Lachen, Husten, oder Springen, zum ungewollten Harnverlust. Die Hauptursache dabei ist durch eine Überdehnung  der Beckenbodenmuskulatur, welche einerseits durch Schwächung der Spannkraft der Muskeln verursacht wird. Dies kann durch mechanische Faktoren (Schwangerschaft und Geburt), durch fehlende Hormone (Menopause) oder durch genetische und/oder erworbene Erkrankungen (MS/Tumore) ausgelöst werden.

Die Urge-, Drang- oder Überlaufinkontinenz wird meist durch eine Fehlfunktion der Blasenmuskulatur bzw. des Harnröhrenverschlussmuskels ausgelöst. Ebenso kann ein Hormonmangel diese Art von Inkontinenz verschulden, vor allem während der Menopause oder durch Tumorerkrankungen. Dabei tritt der ungewollte Harnverlust unvermutet und plötzlich auf. Ein Beispiel: Sie verspüren den Harndrang beim Öffnen der Haustüre, weil Sie wissen, dass das WC nicht mehr weit ist – trotzdem schaffen Sie es nicht bis dorthin, ohne, dass etwas in die Hose geht. Ebenso häufig passiert es, dass der/die Betroffene in der Nacht aufwacht, das WC aber nicht mehr rechtzeitig erreicht ist, bevor es schon passiert ist. 

Weiters gibt es die die Mischinkontinenz, bei der Stress- und Dranginkontinenz zusammenspielen. Eine andere Form ist das sogenannte ISDS (intrinsic sphincter deficiense syndrom) bei der die Ursache in der Schwäche des Verschlussmuskels der Harnröhre liegt. Dieses Syndrom verschlimmert den Harndrang. bei ca. 20% der Stresssymptome!

Diagnose von Inkontinenz

Wichtig ist die genaue Anamnese bei der betroffenen Person, also die exakte und präzise Untersuchung der Ursachen der Blasenschwäche. Bei der vaginalen Untersuchung findet der Urogynäkologe heraus, ob sich die anatomischen Strukturen im Sinne einer Senkung verändert haben und teilt die Vagina bildlich Gesprochen in das vordere und hintere Kompartement ein – so kann er die nötigen Maßnahmen vorschlagen. In Zweifelsfällen, in denen der Verdacht auf das Vorliegen multipler Ursachen gegeben ist, ist eine „urodynamische Abklärung“ notwendig. Leider wird diese, meiner Meinung nach, viel zu selten durchgeführt, was oft den Nachteil mit sich bringt, dass Patient:innen in vielen, unerheblichen Fällen daher falsch behandelt werden.

Bei der urodynamischen Abklärung, wird der/die Patient/in mit Hilfe eines computergestützten Programmes und einer sehr sensiblen technischen Einrichtung untersucht, wobei ein hauchdünner Katheter schmerzfrei langsam in die Harnröhre ein- und ausgeführt wird. Dabei werden die Druckverhältnisse in der Harnröhre und im Bereich des Verschlussmuskels gemessen sowie gleichzeitig auch die Muskelkontraktionen in der Scheide und im Außenbereich, nahe dem After. Dadurch wird erkannt, ob eher die Verschlusskraft der Harnröhre bzw. des Muskels vermindert ist, oder ob es einen Zusammenhang mit den umliegenden Strukturen (Scheidensenkung) gibt. Weiters wird dadurch die Differentialdiagnose einer Mischinkontinenz erkannt, die ohne diese Abklärung oft zu einer unnötigen Operation führt, ohne jedoch die erwünschte Wirkung – das Wiedererlangen der Kontinenz –  zu erzielen.

Die effiziente Behandlung setzt jahrelange Berufserfahrung mit diesem Beschwerdebild voraus! Die Hauptproponenten sind der Urogynäkologe und der Urologe. Wenden Sie sich daher an einen Experten!

Behandlung von Inkontinenz

Wie wurde Inkontinenz bisher behandelt?

Bis vor wenigen Jahren gab es nur vereinzelte Möglichkeiten der Behandlung: Neben der Beckenbodengymnastik zur Stärkung des Beckenbodens, welche leider kaum im Einzelunterricht stattgefunden hat, der Instruktion des Harnlassens und des Timings, physikalischer Hilfsmittel (Würfel, Konen etc.), medikamentöser Therapien, Hormonbehandlung (wo möglich), Botoxinstillationen in die Blasenmuskulatur und Unterspritzung der Harnröhre mittels Hyaluron gab es kaum Möglichkeiten. Dazu kamen diverse Operationstechniken, die teilweise fast schon verstümmelnde Formen annahmen!

Seit ca. 5 Jahren etablieren sich die Laserbehandlung und die Magnetfeldtherapie immer mehr! Diese Therapieformen sind seit einiger Zeit auch Mittelpunkt bei medizinischen Studien, die notwendig sind, um datenbasierte Wissenschaft zu betreiben!

Wie wird Inkontinenz heute behandelt?

Die moderne und der heutigen Wissenschaft gerechtwerdende Behandlung der Inkontinenz ist ein bunter Blumenstrauß an Maßnahmen!

Die im vorigen Absatz erwähnten Möglichkeiten, welche seit Jahrzehnten vorhanden sind, brauche ich nicht mehr intensiver zu beleuchten, da diese zu den lang bewährten und erfolgreichen Maßnahmen zählen. Allerdings möchte ich hervorheben, dass die vermittelte Beckenbodengymnastik nur im Einzelunterricht sinnvoll ist und diese immer von geschulten Beckenbodenspezialisten und -spezialistinnen durchgeführt werden sollte!

Bei den operativen Techniken, welche leider nicht sehr oft von dauerhaftem Erfolg gekrönt sind, muss die Strategie sehr gut überlegt sein und der diagnosestellende Arzt (=Operateur) langjährige Erfahrung mitbringen sollte! Leider haben die Techniken, wo sogenannte „Mashes“ (=Kunstfasernetze) einoperiert wurden, keinen durchschlagenden Erfolg gebracht, da es oft zu Abstoß-Reaktionen im Körper gekommen ist, wo im schlimmsten Fall das Implantat, unter schwierigen Bedingungen, wieder entfernt werden musste!

So ist heute die dringende Devise: Genaueste Anamneseerhebung, Untersuchung und Therapieentscheidung von einem geschulten und erfahrenen Urogynäkologen, der am besten auch der Ausführende, was die Therapie betrifft, sein sollte!

Da das Wissen über Ursachen und Behandlung einer Blasenschwäche stetig steigt, haben die behandelnden Ärzte und Ärztinnen heutzutage neue Instrumente zur Verfügung, die bei richtiger Indikationsstellung und Handhabung, das therapeutische Spektrum deutlich erweitern!